Neue Fasern braucht das Textil
Das Teilthema Nachhaltigkeit in der Textilbranche hat eine bunte Gruppe von Soroptimistinnen aus den Clubs Augsburg, Bayreuth, Isartal/Bad Tölz und Hof/Saale im ökologisch-botanischen Garten in Bayreuth am Samstag 13. Mai 2023 zusammengeführt, um sich über Fasern zu informieren.
Die Biologin und Soroptimistin, Dr. Marianne Lauerer, wissenschaftliche Mitarbeiterin, führte mit Geschichten, fachkundigen/wissenschaftlichen Ausführungen und lebendigen Erzählungen unter der Überschrift „Textilien für morgen – Anbau und Gewinnung von ausgefallenen Faserpflanzen für Textilien und spezielle Anwendungen“ durch eine exotische Pflanzenwelt.
Zu Beginn erfuhren wir einiges über eine Faserpflanze, die jeder kennt: Baumwolle.
Baumwolle ist natürlich, die Herstellung allerdings problematisch, weil sie extrem viel Wasser verbraucht – der Aralsee ist aus diesem Grund fast ausgetrocknet. Im Anschluss zeigte uns Marianne einen Kapokbaum und seine Frucht, die weiche, lange Fasern enthält, die zwar alleine nicht zu Kleidung verarbeitet werden können, aber beispielsweise in einer Mischung mit Baumwolle die Wasserspeicherfähigkeit des Gewebes verbessern. Bei Baumwolle und Kapok sind es die Samenfäden, aus denen Textilien hergestellt werden, es gibt aber auch Pflanzen, bei denen die Stengelfasern verwendet werden. Bekannt sind hier z. B. Flachs, Hanf und diverse Nesseln. Neben der bekannten Brennnessel ist das u. a. die Ramiepflanze, aus deren Fasern wunderschöne feine Stoffe gewebt werden können. Aus den Fasern im Inneren der Sisal-Agavenblätter kann man derbe Stricke produzieren, ebenso wie aus den Fasern in den Außenschalen von Kokosnüssen. Aus Ananasblättern und Bananenblättern entstehen feine, seidenähnliche Stoffe.
Der zweite Schwerpunkt lag auf Pflanzen, aus deren Bestandteilen dank moderner Technologie Textilfasern produziert werden können, die nicht von Natur aus in der Pflanze enthalten sind. Bekannt sind hier natürlich die Natur-Kunststoffe aus Holzfasern, wie Viskose, Modal und Tencel. Weniger bekannt ist, dass man aus den Abfällen von Sojabohnen weichen Sojakaschmir“ produziert, auch aus Bambus und sogar aus den Resten der Kokosproduktion können Textilfasern hergestellt werden.
Wunderbar und einzigartig, was unsere Schöpfung an Pflanzen bereithält und schier unglaublich, auf welch vielfältige Weise aus den Pflanzen Textilfasern gewonnen werden können – von Rosen-Seide bis Soja-Kaschmir.
Fazit am Ende dieses soroptimistischen „Awareness Events“ ist und bleibt: Tragt eure Klamotten möglichst lange oder bringt sie in einen Tausch-Umlauf oder Secondhand-Markt. Denn selbst pflanzlich gewonnene Fasern brauchen Energie, Wasserressourcen und oft chemische Bearbeitung in der Herstellung.
Katja Straubinger-Wolf, Club Hof/Saale, SID-Vizepräsidentin Bezirk 6 (2024 – 25)
Artikel in „Soroptimist intern – Ausgabe 193)