Wir alle haben sie, unsere Lieblingsstücke, schnell gewaschen, Mischgewebe, das sich leicht bügeln lässt, die Kofferkleider aus Polyester, leicht und knitterfrei, die man noch in den vollsten Koffer quetschen kann und die uns immer gut aussehen lassen, Funktionswäsche - aus dem Sport heute fast nicht mehr wegzudenken - die wenig wiegt, angenehm im Tragen ist, schnell gewaschen und über Nacht getrocknet. Gemeinsam ist diesen Kleidungsstücken, dass sie ganz oder teilweise aus synthetischem Material bestehen.
Und das Problem daran ist, dass im Laufe des Herstellverfahrens, aber auch beim Waschen, Plastikfasern freigesetzt werden. Die Studienergebnisse zu den Mengen der Partikel reichen von 6 Millionen Mikrofasern pro Waschgang von fünf Kilogramm Synthetik-Wäsche bis zu 250 Tausend Mikrofasern bei der Wäsche von nur einer Fleecejacke. Neue Studien zeigen, dass recyceltes Polyester beim Waschen noch um ca. 50% mehr Mikroplastikpartikel freisetzen kann als neuhergestelltes Polyester.
Obwohl bereits in den 70ger Jahren wissenschaftlich gezeigt, dass Polyester und Co schädliche Auswirkung auf die Umwelt haben, ist das Thema erst vor ca. 10 Jahren durchzunehmende Berichterstattung in der breiten Öffentlichkeit angekommen.
Mikroplastik – mit einer Teilchengröße von kleiner 1000 µm - gelangt mit dem Abwasser in die Kläranlagen und von dort in die Flüsse.
Inzwischen ist es weltweit an Küsten und in Meeren zu finden. So wurde in fast 7.000 m Tiefe im Marianengraben im westlichen pazifischen Ozean eine neue Art von Tiefseeflohkrebsen entdeckt, in deren Darm PET-Fasern (Polyethylenterephthalat) nachgewiesen wurden. Um ein Zeichen gegen die Verschmutzung der Weltmeere mit Plastik zu setzen erhielt dieser Tiefseeflohkrebse 2020 den treffenden Namen Eurythenes plasticus!
Exakte Zahlen gibt es nicht, aber Abschätzungen, dass das durch Waschen freigesetzte Mikroplastik aus Textilien 35% des gesamten Mikroplastiks in den Weltmeeren ausmacht. Wie die Kleidungsstücke besteht auch das daraus ausgewaschene Mikroplastik aus verschiedenen Substanzen, großenteils aus Polyester (meist Polyethylenterephthalat PET), aber auch aus Polyamid, Polyacryl, Polypropylen (u.a. Sportfunktionswäsche) oder Elastan (für dehnbare Gewebe, Badebekleidung, Strümpfe). Es verrottet nicht und zersetzt sich nur sehr langsam, abhängig von den Bedingungen kann das mehrere Jahrhunderte dauern.
Im Wasser gibt Mikroplastik chemische Inhaltsstoffe und Additive, die bei Veredelung, Färbung und Ausrüstung eingesetzt werden – z.B. Bisphenol A und Weichmacher – frei, deren z.T. extrem schädliche Wirkung bekannt ist. Weiterhin untersucht wird der Einfluss von an Plastikteilchen gebundenen Schadstoffen, Viren und Bakterien auf die Gesundheit des Menschen.
| Ein besonders schwerer Fall: Funktionskleidung PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, die zur Gruppe der fluorierten Kohlenwasserstoffe gehören): werden oft in Funktionskleidung, atmungsaktiven Membranen (z.B. Goretex) und zur wasserabweisenden Ausrüstung von Outdoorbekleidung genutzt. Sie sind kaum wasserlöslich und können bei der Verwendung in der Textilveredlung, in der Nutzungsphase der Textilien (durch Waschen und Abrieb) und bei der Entsorgung der Kleidungsstücke in die Umwelt gelangen. Sie sind kaum abbaubar, resistent gegen Hitze und UV-Strahlung und inzwischen weltweit in Gewässern nachgewiesen. Alternativen sind geölte oder gewachste Kleidung oder Funktionskleidung, die explizit ohne fluorierte Chemikalien ausgerüstet wurden (am besten beim Hersteller zu erfragen). |
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Was heißt das? Und was kann ich, was kann jede von uns tun?
Möglich ist der Einbau von Filterkartuschen in den Ablauf der Waschmaschine, die Mikroplastik herausfiltern und den Eintrag ins Abwasser so verhindern (Angebote verschiedener Hersteller über Online-Suche nach „Mikroplastikfilter für Waschmaschinen“). Einzelne Waschmaschinenhersteller bieten seit Kurzem solche Filter bereits in die Maschine integriert an. Bei einer Neuanschaffung lohnt es sich, darauf zu achten.
Mit der Anzahl der Waschgänge nimmt die Partikelemission ab, deshalb wirkt sich eine lange Nutzungsdauer von Kleidungsstücken positiv aus. Je öfter ein Kleidungsstück gewaschen wird, desto weniger Mikroplastik gibt es noch ab. Qualitativ gute und lange haltbare Kleidung sowie eine längere Nutzungsdauer durch Second Hand (Ver)Kauf sind also Ansatzpunkte für individuellen Beitrag zur Verminderung des Problems.
Auch der Verzicht auf synthetische Stoffe wirkt positiv in Richtung vermindertem Mikroplastikeintrag. Aber Sind Naturfasern die Lösung?
2) Jeans, Kleidung aus Baumwolle – die Lösung?
Knapp die Hälfte unserer Kleidungsstücke besteht aus Baumwolle. Viele bevorzugen Naturfasern, weil sie sie für umweltfreundlich halten. Ja, Baumwolle ist ein natürlicher und nachwachsender Rohstoff; und ja, die daraus hergestellten Produkte sind leicht abbaubar. Aber so einfach ist es leider nicht.
Problematisch ist der Anbau der Baumwollpflanze, da sie sehr anspruchsvoll ist und viel Wasser braucht. In trockenen Regionen ist künstliche Bewässerung unausweichlich – hierbei wird dem Ökokreislauf Wasser entzogen, das dann an anderer Stelle fehlt.
Drastisch wird dieses Problem am Aralsee offenbar, einst der viertgrößte Binnensee der Welt. Dass er ausgetrocknet ist, schreibt die UNESCO dem Baumwollanbau im angrenzenden Usbekistan und Kasachstan und der Wasserent-nahme aus seinen beiden Zuflüssen für ein groß angelegtes Bewässerungsprojekt zu. So schrumpfte der Aralsee seit 1960 von seiner ursprünglichen Größe von knapp 68.000 qkm (fast die Größe Bayerns) auf heute ein Drittel. Großenteils ist er ausgetrocknet, ehemalige Hafen-städte liegen heute mehr als 100 km entfernt vom Ufer.
Um Transparenz herzustellen und den Vergleich von ökologischen Folgen unterschiedlicher Herstellprozesse zu ermöglichen, wurde der Begriff des „virtuellen Wassers“ eingeführt. Damit wird die Gesamtmenge Wasser, die für die Herstellung eines Produkts benötigt wird, bezeichnet. Unterschieden werden Grünes Wasser (aus Niederschlag/Regen), Blaues Wasser (künstliche Bewässerung bei der Oberflächengewässern Bächen, Flüssen, Seen oder dem Grundwasser Wasser entzogen und somit in das natürliche Ökosystem eingegriffen wird)und Graues Wasser ( Wassermenge, die bei der Herstellung eines Produkts eingesetzt und verunreinigt wird). Graues Wasser fällt im Agrarbereicht insbesondere durch den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln an.
Für die Herstellung einer herkömmlichen Jeans werden 8.000 bis 11.000 Liter virtuelles Wasser veranschlagt, davon - ( je nach Anbaugebiet mit mehr oder weniger Niederschlag) stammt meist weniger als die Hälfte aus natürliches Regenwasser. Deutschland importiert Baumwolle hauptsächlich aus Indien, der Türkei, Pakistan, Usbekistan, Bangladesch und China. So werden die dort häufig ohnehin schon knappen Wasserressourcen genutzt um unsere Kleiderschränke zu (über)füllen.
Neben dem hohen Wasserverbrauch zeichnet sich die Baumwollpflanze auch durch eine überdurchschnittliche Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlinge aus, was den Einsatz großer Mengen von Pestiziden und Insektiziden notwendig macht. So werden ca. 15% der weltweit eingesetzten Insektizide und 5% der Pestizide im herkömmlichen Anbau von Baumwolle eingesetzt.
Aber nicht nur der Anbau von Baumwolle belastet die Ressource Wasser. Die Fasern, die bei mechanischen Prozessen der Textilherstellung hohen Belastungen ausgesetzt sind, werden, um besser verarbeitet werden zu können, chemisch geschützt. Auch bei der Textilveredlung (Bleichen, Waschen, Mercerisieren, Färben, Drucken, Ausrüsten inkl. Beschichten) werden Chemikalien eingesetzt, die z.T. schwer abbaubar sind. Die beliebten Stonewashed- bzw. Bleach-Effekte von Jeans werden im Herstellprozessmit Hilfe von Chemikalien und wiederum viel Wasser erzielt.
Färben und Veredeln von Textilien im Rahmen ihrer Herstellung verursachen rund 20% der weltweiten Wasserverschmutzung. Technische Entwicklungen der letzten Jahre konnten bereits zur Verbesserung der Abwasserqualität beitragen. Und gänzlich neue Verfahren, z.B. Stonewashed- und Bleach-Effekte durch Bearbeitung des Denimstoffs per Laserstrahl geben Hoffnung auf wasserschonendere und umweltverträglichere Textilherstellung.
Jedoch haben auch wir durch unsere Kleidung und unser Konsumverhalten einen beträchtlichen Anteil am Wasserverbrauch und gleichzeitig einen lohnenden Hebel zur Einsparung von Wasser.
Was heißt das? Und was kann ich, was kann jede von uns tun?
Wir können bewusster einkaufen und beim Kauf auf die Baumwollqualität achten. auf Bio-Baumwolle, die ökologisch angebaut wird, ohne Einsatz von Pestiziden, Insektiziden und Düngemittel und ohne das Wasser damit zu belasten (bisher wird lediglich 1% der Baumwollproduktion als Biobaumwolle angebaut)
Sensibilisierung für das Thema, Bewusstmachen und erhöhte Nachfrage wären wünschenswert. Über die Menge an Wasser, die zur Bewässerung eingesetzt wird, treffen die Zertifikate bisher jedoch keine Auskunft. Hier helfen direkte Anfragen bei Herstellern weiter.
Verwendung und Nachfrage alternativer Naturfasern? Sowohl Hanf als auch Leinen sind nachhaltiger als Baumwolle, da sie schnell wachsen, weniger Wasser verbrauchen und fast ohne künstliche Bewässerung und Pestizide auskommen. Für die Gewinnung der Fasern sind keine aggressiven Chemikalien erforderlich. Hanf, das erst im 19. Jahrhundert als Rohstoff für Textilien von Baumwolle verdrängt wurde, und auch Leinen sind gut abbaubar. Die Verarbeitungsmöglichkeiten heute führen zu Stoffen mit sehr ähnlichen Eigenschaften wie Baumwolle. Auch kann man Hanf und Baumwolle in einem Materialmix verarbeiten.
Modal aus Buchenholz oder Lyocell aus Eucalyptus werden in geschlossenen Kreisläufen hergestellt, die sich durch die Rückgewinnung der verwendeten Lösungsmittel und einen geringeren Wasserverbrauch (im Vergleich zur klassischen Zellulose-Herstellung) auszeichnen, sind langlebig, bieten ein angenehmes Tragegefühl und sind biologisch abbaubar.
3) Und jetzt? Augen zu oder Augen auf?
Die Textilbranche gehört zu den wasserintensivsten Branchen. Mit einem Verbrauch von knapp 100 Milliarden Kubikmeter Wasser für Anbau und Produktion ist sie mit ca. 4% der globalen Süßwasserentnahme beteiligt. Der Durchschnittsdeutsche kauft pro Jahr 60 Kleidungsstücke, trägt diese aber dann nur halb so lange wie noch vor 15 Jahren.
Es lohnt sich also, zu überlegen, ob und wie wir dazu beitragen können, den Wasserverbrauch zu reduzieren.
Schon das Bewusstsein für das Thema kann langsam und Schritt für Schritt zu einer Anpassung unseres Konsumverhaltens und somit zu einer Schonung der Ressource Wasser beitragen. Folgende Stichworte können helfen, einen Anfang zu machen
Wissen ist die Voraussetzung für bewusstes Handeln, aber
„zwischen Wissen und Handeln liegt ein weiter Ozean“ (aus Japan)
… gehen wir den ersten Schritt